Mittwoch, 6. Juni 2018

Sommernachts-Ballkleid

Geschafft! Die letzten Nähte habe ich noch drei Stunden vor Ballbeginn gestichelt. Aber es hat sich gelohnt, denn es war ein wunderbarer Abend und ich habe mich königlich gefühlt in nachtblauer Spitze und Satin.




Genäht habe ich Modell 23 aus Fashion Style 11/2017 in Größe 40.
Quelle: Fashion Style 11/2017
Ich habe das Miederteil und das Spitzenoberteil in Brusthöhe schmaler gemacht, die Taille hingegen passte perfekt. Mir ist aber aufgefallen, dass bei diesem aufwendigen Projekt in der Anleitung doch einige sehr schlichte Verarbeitungshinweise gegeben werden.
Beispiel 1: Das Spitzenoberteil ohne Abnäher. Sicher, es wird eine elastisches Material empfohlen, doch richtig gut sitzt es meiner Meinung nach nur mit Brustabnähern. Also habe ich beim Zuschnitt zuerst die Seiten verlängert, Abnäher eingebaut und dann wieder die Länge am Schnitt angepasst.
Beispiel 2: Gummiband für die Träger beim Unterteil und für den Ausschnitt. Ich habe die Träger aus Satin genäht. Außerdem war keine Gewebeeinlage vorgesehen - ich habe Vlieseline 785 verwendet.
Beispiel 3: Bei der Schärpe aus einfacher (!?) Stofflage sollte oben und unten ein schmaler Saum gesteppt werden. Beim ganzen Kleid gibt es keine einzige sichtbare Steppnaht, was soll die dann auf dem Bauch??? Also habe ich die Schärpe gedoppelt und auf sichtbare Nähte verzichtet. Außerdem hat sie so ein wenig Stand und knittert beim Sitzen nicht so zusammen.
Da ich auch oft Burda-Schnitte nähe, muss ich sagen, dass mir solche schlichten Lösungen dort in den Beschreibungen nicht angeboten werden. Die Verarbeitung (so man die Anleitung versteht) ist besser. Aber das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau...

Insgesamt ließ sich das Kleid recht gut nähen. Bei der Spitze kam es auf exakten Zuschnitt an, die Markierungen habe ich mit weißem Garn gekennzeichnet, da Knipse sinnlos gewesen wären. Beim Nähen haben mir die Stoffklammern sehr geholfen. Da man ja auch von außen die Nahtzugaben sieht, habe ich beim Spitzenoberteil französische Nähte gemacht.
Das Unterteil (Bustier) ist mit Miederstäbchen gearbeitet. Das habe ich zum ersten Mal probiert. Da ich befürchtete, dass die spitzen Plastik-Enden durch den Satinstoff stechen könnten, habe ich diese mit  dem  Feuerzeug geschmolzen und so abgerundet.



Beim Mieder habe ich als Futter auch den Satin verwendet und mit Understitching fixiert.

Bei der Reißverschluss-Seite lagen am Ende drei Stoffschichten (Unterteil, Oberteil und gekräuseltes Schärpenende) übereinander. 

Die habe ich zuerst aufeinander gesteppt und dann den Reißverschluss geheftet; nach nochmaligem Anprobieren mit dem RV-Fuß gaaaaanz langsam genäht (ein Stück wieder aufgetrennt) und mich am Ende über dieses fast perfekte Ergebnis gefreut.

Bei den Ärmelabschlüssen habe ich mir die "Webkante" des Spitzenstoffes zunutze gemacht.  Der komplette Ausschnitt ist mit selbstgemachtem Satin-Schrägband eingefasst.

Das Kleid ist bis zum Knie gefüttert, wobei ich da beim Rockteil aus meinem Fundus geschöpft und ein sehr feines Viskosefutter verwendet habe - allerdings in grau. Das sieht aber keiner, mich stört es nicht und es ist gut für die Stoffdiät ...
 Da ich keine Overlock-Maschine besitze, habe ich lange überlegt, wie ich die inneren Rocknähte ordentlich versäubere. Mir fiel dann dieser Post von Julia Jamei ein. Sie hat mal ein Ballkleid mit der sogenannten Hong Kong Naht versäubert. Also alle Nähte mit Schrägband eingefasst.

Da ich das Kauf-Schrägband dafür zu steif fand, habe ich selbst welches aus meinem Satinstoff gefertigt. Immerhin fast neun Meter, aber mit dem Schrägbandformer ging das tiptop.

Nach soviel Aufwand bekam das Kleid schließlich noch einen handgenähten Saum. Auch meinem Mann gefiel das gute Stück (den Stoff hatte er ja mit ausgewählt) und so gibt es zum Schluss noch diesen Schnappschuss vom Burgberg in Meissen, wo wir am vergangenen Wochenende getanzt haben.
 Und heute tanze ich mit meinem Ballkleid zum MeMadeMittwoch, wo sich wieder viele gut gekleidete Selbernäherinnen präsentieren - angeführt von Wiebke in einem luftigen Schluppenkleid aus afrikanischem Stoff.
Zusammenfassung:
Stoff: 0,8m Spitze und 2,5m Satin aus Barcelona (Hier) 1,4m Viskosefutter aus dem Stofflager
Schnitt: Modell 23 aus FashionStyle 11/2017