Sonntag, 4. September 2016

Veritas 1972

Ich habe ein altes Schätzchen geschenkt bekommen:


Die Veritas ist Baujahr 1972, kommt in einem stabilen Pappkoffer daher und ist noch so ein richtiges "Eisenschwein". Metall und Mechanik gehen eine einfache aber funktionale Verbindung ein. 585,-Mark hat sie seinerzeit gekostet.


Sie hat jahrzehntelang bei der Mutti eines Freundes ihren Dienst getan. Diese näht aber nun nicht mehr und suchte jemand, der vielleicht noch Verwendung dafür hat. So zog die Maschine bei mir ein und ich habe mir im Urlaub einen Vormittag lang Zeit genommen, sie wieder flott zu kriegen.


Problemlos ließen sich alle wichtigen Dreh- und Angelpunkte mit Spiritus reinigen. Anschließend überall ein Tröpfchen Nähmaschinenöl dran und aus dem hackenden Rattern wird ein gleichmäßiges Schnurren,... 


...mit dem ich mich ab sofort durch die 8 Stichwahl-Programme arbeiten kann: 



Beim Zubehör fand ich fünf weitere Füßchen, passende Schraubenzieher und Spulen. Zur Maschine gab es übrigens noch eine herrlich antiquierte, gut bebilderte Anleitung dazu ...




... sowie ein handschriftlich ausgefülltes Garantie-Heft mit Vertragswerkstätten,


außerdem noch reichlich Nähmaschinennadeln (pro Fünferpack übrigens 0,80 DDR-Mark), die auch in die modernen Maschinen passen.


Ja, und dann hab ich losgelegt, Jeans kürzen - ein kleiner Service für die Schwägerin. Und was sag ich, die alte Dame hämmert sich mit  Leichtigkeit und einer Hunderternadel durch sechs Lagen Jeansstoff. Das wird wohl ein längere Freundschaft zwischen uns beiden... 




Kommentare:

  1. wohl wahr! ein wahrer schatz und freund!
    ich denke immer mit herzschmerz an die marke.
    sie blieb mir trotz aller versuche jahrelang(eigentlich bis heute:-)) verwehrt. meine mum hat sogar veruscht bestechungsgeld zu geben um an eine veritas zu kommen- ich bagan ende der 80-er zu nähen(viel genäht und gelernt).aber ich habe sie nie bekommen. sie blieb für mich einfach ein traum,der nie wahr wird..irgendwann später bekam ich durch ein unmöglichen zufall eine niegelnagel neue Tschaika 142M- ein neues modell von Podolsk, was zickzack und weitere 3 stiche konnte:-) ich war überglücklich.
    was ich dir noch unbedingt nah legen möchte ist...
    trotz dem,dass sie jetzt näht, musst du sie zu einem guten techniker bringen. nach so vielen jahren müssen die achsen und gelenke justiert werden- das macht sie dann anschliessend nicht nur mehr geschmeidiger sondern auch geräuscharmer und sorgt für noch bessere nahtqualität. ich habe mir aus nostalsischen vintage-launen eine singer G401 gekauft. sie ist toll und näht fantastosch. alle blusen und delikate feinste stoffe nähe ich drauf.letztes jahr brauchte ich sie zur inspaktion und professionelle reinigung usw. der tehcniker sagte, sie war aber "verstört":-) es musste an vielen punkten justieren und sie korrekt ausrichten. das ahbe ich aber so nciht sehen oder wissen können. lange rede kurzer sinn, ich wünsche dir viel spass und viel freunde mit dem schatz!

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    1. Ja, das mit dem Techniker habe ich auch schon überlegt. Und soll ich Dir was sagen, die kleine Fahrrad- und Nähmaschinenwerkstatt in unserem Nachbarort gibt es schon so lange, dass sie in dem Service-Werkstattheft der alten Veritas auftaucht - unglaublich, oder? Und der heutige Betreiber ist der Schwiegersohn des damaligen Mechanikers. Da werde ich die alte Dame wohl mal vorbeibringen - aber erst nachdem ich auch noch die zweite Jeans gekürzt habe...LG Ina

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    2. ich höre solche gesichten total gerne.. ichweiß nciht, ob es daran liegt,dass ich die alte welt mit ihrer moral vermiesse oder einfach nur nostalgisch bion oder beides...:-(
      ich finde es toll,dass es noch(das muss man hier unterschreiben) die fachleute und fachgeschäfte gibt.ich bins leid,ständig von könnennixen, weißnixen,taugenixen beraten zu werden:-(ich iunterstütze jedes kleine geschäft so wietes mir möglich ist. ich kaufe auch meine fahrräder 40 km von zuhause entfernt im kleinen laden mit kompetenten beratung und super service-ich möchte dass sie uns noch etwas länger erhalten bleiben.

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  2. Wahnsinn, dass die alten Dinger noch so gut nähen, oder?
    Meine Tochter trainiert bei einem Kinderzirkus, der zu einem gemeinnützigen Verein gehört. Dort hatten sich über die Jahre ca. 7 Nähmaschinen angesammelt. Vermutlich Spenden/Geschenke, es waren Veritas-Maschinen aus verschiedenen Jahrzehnten dabei. Irgendwann wurde ich gebeten, mal alle Maschinen auszuprobieren, um dem Verein einen Rat zu geben, welche Maschinen behalten werden sollen. Sie hatten wohl zunächst im Sinn, ihre Kostüme damit selbst zu nähen. Die "Eisenschweine" nähten alle noch! Ich sagte ihnen, dass ich elastische Kostüme eher auf einer Overlock nähen würde, aber die Veritas-Maschinen wären alle noch top in Ordnung und nähten sehr gut. Als ich Monate später zufällig mal wieder in dem Näh-Zimmer war, fragte ich, wo denn die ganzen Maschinen hin wären. "Die haben wir alle entsorgt." Ahhh!!!! So schade:-(
    Schön, dass Du eine aufbewahrst!

    LG
    anne

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    1. Oh, das ist ja echt ein Trauerspiel mit den entsorgten Maschinen. Niemalsnicht sollte man das mit so einem mechanischen Wunderwerk tun. Mich hat die einfache aber robuste Technik überzeugt und als Zweitmaschine für die fetten Brocken ohne Schnickschnack ist sie perfekt. LG Ina

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  3. Die Maschine ist ja älter als ich. Ich finde dein Bericht klingt sehr gut, da kannst du ja nun unbesorgt Jeans für dich nähen. Meine Maschine hatte ganz schön Probleme vor allem an den dicken Stellen.
    Liebe Grüße
    Sylvia

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    1. Ehrlich gesagt habe ich nach der Probe mit der geänderten Jeans tatsächlich wieder ernsthaft daran gedacht, mal eine neue für mich zu nähen. Mal schauen, Herbst und Winter stehen vor der Tür - für mich sowieso die perfekten Nähjahreszeiten - da finde ich vielleicht die Zeit für so ein Projekt. Und wenn ich nicht weiter komme, dann weiß ich ja wer mir in nächster Nähe helfen könnten... :) LG Ina

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  4. Ein Zuwachs mit so starker Leistung kann ja nur willkommen sein; eine Maschine, die anstandslos mehrere Lagen Jeansstoff näht, hätte ich auch gerne.
    LG von Susanne

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    1. Ja, ich wollte es fast nicht glauben, mit welcher Power die über die dicken Nahtstellen gerattert ist. Ich habe ja sogar den Eindruck, dass der komplette Nähfuß höher gelegt ist als bei den neuen Maschinen. (Ich werde das mal vergleichsweise messen) Da bekommt man viel leichter dickere Lagen drunter geschoben. Und was mich auch sehr freut - das Stichbild sieht super aus, von beiden Seiten. Liebe Grüße von Ina

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  5. Viel Freude an Deinem neuen Schätzchen! Das ist ja ein echter Glücksgriff und ich finde die alten Maschinen haben so einen besonderen Charakter weil sie schon so viele Jahre auf dem Buckel haben und dennoch richtig gute Nähte nähen. Lg Kuestensocke

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    1. Die Freude werde ich sicher haben, Danke. Die alte Dame hat zwar ihre Antriebsriemen-Abdeckung eingebüßt und irgendwann wurde bei der Fadenführung mal ein Rad erneuert, aber ansonsten ist sie tatsächlich eine charakterstarke Erscheinung und näht und näht und näht...LG Ina

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  6. Die alten Schätze sind die besten! Super, viel Freude damit. LG Anita

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  7. Dankeschön, liebe Anita. Ich bin auch ganz froh, dass ich sie bei mir aufgenommen habe. LG Ina

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  8. Das ist ein echter Schatz, hüte sie gut und toll, da ja alles zubehör dabei war. Ich habe mit 13 nähen gelernt auf einer Fußtrittmaschine, also mit Schwungrad. Die hat alles genäht, leder, Jeans, Baumwolle ohne zu muckern. Leider ist sie irgendwann verschwunden.Viele Grüße karen

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    1. So eine Fußtrittmaschine kenne ich auch noch - meine Mutter hatte in den 70er Jahren eine - eingebaut in eine großen Nähmaschinentisch. Da habe ich als Kind dahinter gehockt und eine Bude gebaut. Nähen gelernt habe ich dann erst in den 80ern auf einer etwas moderneren Veritas. Die war aber auch recht robust. Liebe Grüße von Ina

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